Boot finanzieren — Kredit, Leasing oder Sparen?

Boot finanzieren

Ein Boot ist ein Traum — aber selten ein günstiger. Selbst ein solides Einsteigerboot kostet schnell 10.000-30.000 Euro, und da sind die laufenden Kosten noch nicht eingerechnet. Die Frage ist nicht ob du es dir leisten kannst, sondern wie du es am klügsten finanzierst. In diesem Ratgeber vergleiche ich alle Optionen: vom klassischen Bankkredit über Leasing bis zum strategischen Gebrauchtkauf.

Finanzierungsoptionen im Überblick

Option Zins (2026) Eigenkapital Eigentum Für wen?
Ratenkredit 4-8 % 0-20 % Sofort Die meisten Käufer
Bootskredit (zweckgebunden) 3-6 % 10-20 % Sofort Boote ab 10.000 €
Ballonfinanzierung 4-7 % 10 % Nach Schlussrate Niedrige Raten gewünscht
Leasing 5-9 % Sonderzahlung Nie (Miete) Gewerblich, Wechsler
Barkauf 0 % 100 % Sofort Wer es sich leisten kann

Bootskredit — Der Klassiker

Ein Bootskredit funktioniert wie ein Autokredit: Du leihst dir Geld von der Bank, kaufst das Boot und zahlst den Kredit in monatlichen Raten zurück. Am Ende gehört das Boot dir.

Zweckgebundener Bootskredit

Spezialisierte Anbieter wie die SWK Bank, Deutsche Yacht Finanz oder Targo Bank bieten zweckgebundene Bootskredite an. Der Vorteil: Der Zins ist oft niedriger als beim normalen Ratenkredit, weil das Boot als Sicherheit dient. 2026 liegen die Zinsen bei 3-6 % effektiv.

Normaler Ratenkredit

Ein ungebundener Ratenkredit von deiner Hausbank oder einem Online-Anbieter (z.B. Smava, Check24) ist die flexibelste Lösung. Du bist nicht an einen bestimmten Verwendungszweck gebunden und hast freie Wahl beim Kauf. Zinsen: 4-8 % effektiv.

Beispielrechnung: Boot für 20.000 €

Laufzeit Rate/Monat Gesamtkosten Zinsen gesamt
36 Monate (3 Jahre) ca. 605 € 21.780 € 1.780 €
60 Monate (5 Jahre) ca. 377 € 22.620 € 2.620 €
84 Monate (7 Jahre) ca. 282 € 23.688 € 3.688 €
120 Monate (10 Jahre) ca. 212 € 25.440 € 5.440 €

Berechnung mit 5% effektivem Jahreszins, ohne Anzahlung.

💡 Tipp: Eine Anzahlung von 20 % reduziert die monatliche Rate und die Gesamtzinsen erheblich. Bei 20.000 € Boot und 4.000 € Anzahlung sinkt die Rate bei 60 Monaten von 377 auf 302 € — und du sparst rund 500 € Zinsen.

Bootsleasing — Für wen lohnt es sich?

Beim Leasing mietest du das Boot für eine feste Laufzeit (meist 3-5 Jahre). Am Ende gibst du es zurück oder kaufst es zum Restwert. Du bist nie Eigentümer — außer du übst die Kaufoption aus.

Vorteile Leasing:

Nachteile Leasing:

Barkauf — Die günstigste Option

Wer es sich leisten kann, kauft bar. Kein Zins, keine Bindung, volle Verhandlungsmacht. Beim Barkauf kannst du oft 5-10 % Rabatt heraushandeln — vor allem bei Gebrauchtbooten und am Saisonende (Herbst).

Wann bar kaufen? Wenn du das Geld hast, ohne deine Notreserve (6 Monatsgehälter) anzugreifen. Ein Boot ist ein Luxusgut — finanziere es nie auf Kosten deiner finanziellen Sicherheit.

Gebrauchtkauf als Strategie

Der klügste Weg zum Boot ist oft der Gebrauchtkauf. Boote verlieren in den ersten 3-5 Jahren 30-50 % ihres Wertes — danach stabilisiert sich der Preis. Ein 5 Jahre altes Boot in gutem Zustand bietet also das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

Wo finde ich gute Gebrauchtboote?

⚠️ Wichtig: Bei Gebrauchtbooten über 5.000 € immer einen unabhängigen Gutachter (ADAC Bootscheck, BSB-zertifiziert) hinzuziehen. Die 200-400 € für das Gutachten können dir tausende Euro an versteckten Mängeln ersparen — Osmose, Motorschäden, Elektrikprobleme.

Unterhaltskosten nicht vergessen!

Der Kaufpreis ist nur die halbe Wahrheit. Die laufenden Kosten können leicht 10 % des Bootswerts pro Jahr betragen:

Posten Kosten/Jahr Anmerkung
Liegeplatz 500-3.000 € Je nach Region und Bootsgröße
Winterlager 300-800 € Halle teurer als Freigelände
Versicherung 200-500 € Haftpflicht + Kasko
Wartung & Pflege 300-1.000 € Ölwechsel, Antifouling, Impeller
Kraftstoff 200-1.500 € Je nach Motorisierung und Nutzung
TÜV / Trailer 50-200 € Wenn Trailer vorhanden
Gesamt (Beispiel 20k-Boot) 1.500-3.000 €

Finanzierungs-Rechner: Schnellcheck

Einfache Faustregel: Deine monatliche Kreditrate + Unterhaltskosten sollten nicht mehr als 15 % deines Nettoeinkommens betragen. Beispiel:

7 Tipps für die Bootsfinanzierung

  1. Gesamtkosten rechnen: Nicht nur die Rate, sondern Zins + Unterhalt + Wertverlust. Ein Boot ist keine Geldanlage.
  2. Saisonale Preise nutzen: Im Herbst/Winter sind Boote 10-20 % günstiger als im Frühjahr.
  3. Kreditvergleich nutzen: Check24, Smava oder Verivox vergleichen Dutzende Anbieter. Oft sparst du 1-2 % Zinsen.
  4. Anzahlung leisten: 10-20 % Eigenkapital verbessert den Zins und reduziert die Gesamtkosten.
  5. Sondertilgung vereinbaren: Flexibilität für vorzeitige Rückzahlung. Manche Kredite erlauben 5-10 % pro Jahr kostenlos.
  6. Versicherung VOR dem Kauf klären: Manche Boote sind schwer oder teuer zu versichern. Vorher prüfen!
  7. Probefahrt machen: Nie ein Boot kaufen, ohne es auf dem Wasser getestet zu haben. Das gilt für Neu- und Gebrauchtboote.

Häufig gestellte Fragen

Kann man ein Boot auf Kredit kaufen?

Ja, es gibt spezielle Bootskredite und reguläre Ratenkredite. Zinsen liegen 2026 bei 3-8 % effektiv, Laufzeiten bis 120 Monate.

Lohnt sich Bootsleasing?

Für Privatpersonen selten, für Gewerbetreibende oft — wegen der Steuervorteile. Privat ist ein Kredit meist günstiger.

Wie viel kostet ein Boot im Unterhalt pro Jahr?

Faustregel: 10% des Bootswertes pro Jahr. Ein Boot für 20.000 € kostet also rund 2.000 € jährlich an Liegeplatz, Versicherung, Wartung und Kraftstoff.

✍️ Über den Autor: Kai Petersen hat sein erstes Boot bar gekauft, das zweite finanziert und beim dritten alles richtig gemacht. Er kennt die Stolperfallen der Bootsfinanzierung aus eigener Erfahrung.

Quellen & weiterführende Links: