Bootslack Ratgeber 2026 — Die besten Lacke für Holz, GFK & Metall
Bootslack RatgeberEin guter Bootslack macht den Unterschied zwischen einem Boot, das nach drei Jahren aussieht wie neu, und einem, das aussieht wie ein Wrack. Bootslack schützt nicht nur optisch — er bewahrt das Material vor Wasser, UV-Strahlung und Osmose. In diesem Ratgeber erkläre ich die verschiedenen Lacktypen, ihre Einsatzbereiche und zeige Schritt für Schritt, wie du dein Boot professionell lackierst.
Bootslack-Typen im Überblick
Nicht jeder Lack eignet sich für jede Anwendung. Die richtige Wahl hängt vom Material deines Boots, dem Einsatzbereich (über oder unter Wasser) und deinen Ansprüchen an Haltbarkeit und Optik ab.
| Lacktyp | Basis | Einsatz | Haltbarkeit | Verarbeitung |
|---|---|---|---|---|
| Alkyd-Lack (1K) | Öl/Alkyd | Holz, Überwasser | 1-2 Saisons | Einfach |
| PU-Lack (1K) | Polyurethan | Holz, GFK, Überwasser | 2-3 Saisons | Einfach |
| 2K-PU-Lack | Polyurethan + Härter | GFK, Holz, Profi | 4-6 Saisons | Mittel |
| Epoxid-Primer | Epoxidharz | Unterwasser, Grundierung | 5-10 Jahre | Mittel |
| Gelcoat | Polyesterharz | GFK-Reparatur | 10+ Jahre | Anspruchsvoll |
1K vs. 2K Lack — Was ist besser?
1K-Lack (Einkomponenten)
1K-Lacke bestehen aus einer einzigen Komponente und trocknen durch Verdunsten des Lösungsmittels. Sie sind einfach zu verarbeiten, verzeihen Fehler und lassen sich bei Bedarf leicht überarbeiten. Der Nachteil: Sie sind weniger hart, weniger UV-beständig und weniger chemikalienresistent als 2K-Lacke.
Ideal für: Hobbyisten, kleine Ausbesserungen, Holzboote im Süßwasser, jährliche Auffrischung.
2K-Lack (Zweikomponenten)
2K-Lacke bestehen aus Lack und Härter, die kurz vor der Verarbeitung im exakten Mischungsverhältnis gemischt werden. Die chemische Aushärtung erzeugt einen extrem harten, glänzenden Film, der UV-Strahlung und Chemikalien hervorragend widersteht. Einmal ausgehärtet, lässt sich 2K-Lack nur noch schleifen, nicht mehr anlösen.
Ideal für: GFK-Boote, Salzwasser-Einsatz, langlebige Ergebnisse, Profi-Aufbereitung.
⚠️ Achtung: 2K-Lacke enthalten Isocyanate — beim Spritzen unbedingt Atemschutz mit A2P3-Filter tragen! Beim Streichen oder Rollen ist die Belastung deutlich geringer, Lüften reicht meist aus. Immer die Sicherheitsdatenblätter des Herstellers beachten.
Holzboote lackieren
Holz ist das klassische Bootsbaumaterial und stellt besondere Anforderungen an den Lack. Holz arbeitet — es dehnt sich bei Feuchtigkeit aus und zieht sich bei Trockenheit zusammen. Der Lack muss diese Bewegung mitmachen, ohne zu reißen.
Klarlack (Transparent)
Zeigt die natürliche Holzmaserung — der Traum jedes Holzboot-Besitzers. Allerdings bietet Klarlack weniger UV-Schutz als pigmentierter Lack. Hochwertige Marine-Klarlacke (z.B. Epifanes Clear Varnish) enthalten UV-Filter, müssen aber häufiger aufgefrischt werden als Decklack.
Für Klarlack sind 6-8 Schichten für den Neuaufbau Standard. Das klingt nach viel, aber jede Schicht ist dünn. Die Arbeit lohnt sich: Ein perfekt klarlackiertes Mahagoni-Deck ist das Schönste, was die Bootswelt zu bieten hat.
Decklack (Pigmentiert)
Deckt das Holz komplett ab und bietet maximalen UV-Schutz. Traditionell weiß (Rumpf) oder in maritimen Farben (Blau, Rot, Grün). 4-6 Schichten auf Grundierung reichen aus. Hält deutlich länger als Klarlack, weil die Pigmente UV-Strahlung absorbieren.
Öl & Lasur
Für rustikale Optik und einfache Pflege: Teaköl, Leinöl oder Lasuren dringen in das Holz ein, statt einen Film zu bilden. Weniger Schutz als Lack, aber einfacher aufzufrischen — kein Schleifen nötig, einfach nachölen. Ideal für Teak-Decks und Innenausbau.
GFK-Boote lackieren
GFK-Boote haben ab Werk eine Gelcoat-Schicht, die das Laminat schützt. Wenn das Gelcoat stark oxidiert, vergilbt oder beschädigt ist, kann eine Neulackierung sinnvoller sein als endloses Polieren.
Wann neu lackieren statt polieren?
- Gelcoat ist durchgehend stumpf trotz Politur
- Haarrisse (Gelcoat-Crazing) auf großer Fläche
- Farbveränderungen, die sich nicht auspolieren lassen
- Du willst eine andere Farbe
Lackaufbau auf GFK
- Schleifen: Gesamte Fläche mit P320 anschleifen. Alle Kratzer, losen Gelcoat und Verschmutzungen entfernen.
- Entfetten: Mit Silikonentferner gründlich abwischen. Jeder Fettfilm verhindert die Haftung.
- Grundierung: 1-2 Schichten 2K-Epoxy-Primer. Schafft die perfekte Basis für den Decklack.
- Zwischenschliff: P400 nass schleifen, Staub entfernen.
- Decklack: 2-3 Schichten 2K-PU-Lack. Mit Rolle und Tip-off (Schaumroller + trockener Pinsel) für ein glattes Finish.
Unterwasserlack & Primer
Der Bereich unter der Wasserlinie hat ganz andere Anforderungen als der Überwasserbereich. Hier geht es nicht um Optik, sondern um Schutz vor Osmose, Bewuchs und Korrosion.
Epoxid-Primer — Der Osmose-Schutz
Epoxidharz ist die beste Barriere gegen Wasser. 3-5 Schichten Epoxid-Primer auf dem Unterwasserschiff verhindern, dass Wasser in das GFK-Laminat eindringt und Osmoseblasen verursacht. Eine Osmose-Sanierung kann leicht 5.000-15.000 Euro kosten — ein Epoxid-Primer für 100-200 Euro ist da die günstigere Vorsorge.
Antifouling-Grundierung
Antifouling-Farbe haftet nicht direkt auf blankem GFK. Zwischen Epoxid-Primer und Antifouling kommt eine Tie-Coat-Grundierung, die die Haftung sicherstellt. Einige Hersteller bieten kombinierte Primer/Tie-Coats an.
Oberflächenvorbereitung — Das A und O
80 % des Ergebnisses hängen von der Vorbereitung ab. Ein teurer Lack auf schlecht vorbereiteter Oberfläche hält schlechter als ein günstiger Lack auf perfekt geschliffener Oberfläche.
Schleifpapier-Guide
| Körnung | Verwendung |
|---|---|
| P80-P120 | Alten Lack entfernen, starke Unebenheiten |
| P180-P240 | Grundierung anschleifen |
| P320-P400 | Zwischen den Lackschichten |
| P600-P800 | Vor der letzten Schicht (nass) |
| P1200-P2000 | Nachpolieren, Orangenhaut entfernen |
Schritt-für-Schritt: Boot lackieren
- Boot reinigen: Gründlich waschen, entfetten, trocknen lassen (mind. 24h).
- Abschleifen: Gesamte Fläche mit passender Körnung schleifen. Staub absaugen und mit Tack-Cloth abwischen.
- Abkleben: Wasserlinie, Beschläge, Fenster sauber abkleben. Hochwertiges Marine-Klebeband verwenden.
- Grundieren: 1-2 Schichten Primer auftragen. Trockenzeit beachten (Herstellerangaben!).
- Zwischenschliff: P320-P400, Staub entfernen.
- Decklack auftragen: Dünn und gleichmäßig. Bei 2K-Lack: Topfzeit beachten! Nur so viel anmischen, wie du in 30-60 Minuten verarbeiten kannst.
- Trocknen lassen: Mindestens die angegebene Überstreichzeit einhalten, bevor die nächste Schicht kommt.
- Schlussschicht: Letzte Schicht besonders sorgfältig. Bei Rolle: Tip-off-Technik für glattes Finish.
💡 Profi-Tipp: Die „Tip-off-Technik" ist der Schlüssel zu einem professionellen Ergebnis beim Rollen. Nach dem Auftragen mit der Schaumrolle sofort mit einem trockenen, weichen Pinsel (Dachshaar oder Synthetik) in langen, parallelen Zügen über die nasse Fläche streichen. Das eliminiert Rollenstruktur und erzeugt ein fast spritzlackiertes Finish.
Typische Fehler vermeiden
- Zu dick auftragen: Dicke Schichten laufen, bilden Nasen und trocknen nicht durch. Lieber 3 dünne Schichten als eine dicke.
- Nicht entfetten: Ein Fingerabdruck reicht, um die Haftung zu zerstören. Immer mit Silikonentferner abwischen.
- Bei falscher Temperatur arbeiten: Unter 10°C und über 30°C gibt es Probleme. 15-25°C ist ideal.
- Trockenzeiten ignorieren: Zu früh überstreichen führt zu Einschlüssen und Haftungsproblemen. Zu spät überstreichen erfordert erneutes Anschleifen.
- Wind unterschätzen: Wind bringt Staub, Blätter und Insekten in den frischen Lack. In einer geschlossenen Halle arbeiten, wenn möglich.
- Inkompatible Produkte mischen: Grundierung und Decklack müssen vom selben Hersteller oder System sein. 1K-Primer unter 2K-Decklack kann funktionieren — umgekehrt niemals!
Die besten Bootslacke 2026
1. Epifanes Clear Varnish — Der Klarlack-König
Der Epifanes Clear Varnish ist seit Jahrzehnten der Maßstab für Holzboot-Klarlack. Tiefe, warme Optik, hervorragender UV-Schutz für einen Klarlack, und eine Haltbarkeit von 2-3 Saisons bei gutem Aufbau. Verarbeitung: Pinsel oder Rolle + Tip-off.
Im Test hat mich vor allem der Glanz beeindruckt — kein anderer Klarlack erzeugt diese Tiefe. Der Preis von rund 50 Euro pro Liter ist hoch, aber die Ergiebigkeit ist gut (10-12 m² pro Liter bei einer Schicht).
2. International Perfection — Premium 2K-Decklack
Der International Perfection ist ein 2K-Polyurethan-Decklack, der ein nahezu spritzlackiertes Finish ergibt — selbst beim Rollen. Extrem hart, UV-beständig und in über 20 Farben erhältlich. Mit der richtigen Vorbereitung hält er 4-6 Saisons ohne Auffrischung.
Einziger Nachteil: Die Topfzeit von ca. 6 Stunden erfordert gute Planung. Nur so viel anmischen, wie du verarbeiten kannst. Preis: rund 70 Euro für 750 ml (Lack + Härter).
3. Owatrol Deks Olje D1 + D2 — Skandinavische Holzpflege
Das Owatrol Deks Olje System ist eine Kombination aus Sättigungsöl (D1) und Hochglanz-Öl (D2). Es dringt tief ins Holz ein und baut von innen nach außen eine Schutzschicht auf. Das Ergebnis: Ein natürlicher, warmer Glanz, der sich einfacher auffrischen lässt als traditioneller Lack.
Besonders beliebt bei skandinavischen Bootsbesitzern. D1 sättigt das Holz (3-5 Schichten), D2 baut den Glanz auf (2-3 Schichten). Auffrischung: einfach eine Schicht D2 auftragen — kein Schleifen nötig. Das Set kostet rund 55 Euro.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen 1K und 2K Bootslack?
1K-Lack trocknet durch Verdunsten des Lösungsmittels und ist einfach zu verarbeiten. 2K-Lack härtet durch eine chemische Reaktion aus und ist deutlich widerstandsfähiger. Für beste Ergebnisse auf GFK ist 2K die richtige Wahl, für Holz reicht oft 1K.
Wie viele Schichten Bootslack braucht man?
Neuaufbau auf Holz: 4-6 Schichten (1× Grundierung + 3-5× Decklack). Auffrischung: 2-3 Schichten nach dem Anschleifen. Zwischen den Schichten leicht anschleifen (P320-P400).
Kann man Bootslack bei jedem Wetter auftragen?
Nein. Ideale Bedingungen: 15-25°C, Luftfeuchtigkeit unter 65%, kein direktes Sonnenlicht, kein Wind. Morgens früh oder am späten Nachmittag lackieren.