Gebrauchtes Boot kaufen 2026 — Ratgeber, Checkliste & typische Fallstricke
Gebrauchtes Boot kaufen 2026 — Ratgeber, Checkliste & typische FallstrickeEin neues Boot kostet schnell €20.000-100.000 — ein gebrauchtes oft nur einen Bruchteil davon. Die Ersparnis kann enorm sein, aber die Risiken auch. Osmose im Rumpf, ein müder Motor oder fehlende Papiere können aus dem Schnäppchen ein Fass ohne Boden machen.
In 15 Jahren auf dem Wasser habe ich dutzende Boote begutachtet — eigene und für Freunde. In diesem Ratgeber teile ich alles, was ich dabei gelernt habe: Wo du suchst, worauf du achtest und welche Fehler du vermeiden solltest.
Wo gebrauchte Boote finden? Die besten Plattformen
Online-Marktplätze
| Plattform | Angebot | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Boot24.de | ~15.000 Boote | Größter DE-Marktplatz, gute Filter | Viele Händler, weniger Privat |
| eBay Kleinanzeigen | ~8.000 Boote | Viele Privatverkäufer, Verhandlungsbasis | Unstrukturiert, viel Schrott |
| Boat24.com | ~30.000 (EU) | International, auch seltene Modelle | Sprachbarrieren, Import-Aufwand |
| Scanboat.com | ~20.000 (Skandinavien) | Top-Qualität aus Nordeuropa | Überführung teuer |
| Facebook Gruppen | Variiert | Direkte Kommunikation, Community | Kein Käuferschutz |
Offline-Quellen (oft die besten Deals)
- Vereinshäfen & Marinas: Schwarze Bretter, Mundpropaganda. Hier verkaufen oft ältere Eigner ihre gepflegten Boote — die besten Gebrauchten überhaupt.
- Bootshändler: Inzahlungnahmen und Kommissionsboote. Teurer als privat, aber mit Gewährleistung (6-12 Monate).
- Bootsmessen: Gebrauchtboot-Bereiche auf der boot Düsseldorf, Hanseboot Hamburg und INTERBOOT Friedrichshafen.
- Winterlager: Im Herbst wollen viele Eigner verkaufen, bevor die Winterlager-Kosten anfallen. Beste Verhandlungsposition: Oktober-November.
Gut zu wissen: Die besten Deals findest du im Herbst (September-November). Eigner wollen vor dem Winter verkaufen und sind verhandlungsbereit. Im Frühling (März-Mai) steigen die Preise um 10-20%, weil die Nachfrage mit der Saison anzieht. Plane deinen Kauf antizyklisch — kauf im Winter, fahr im Sommer.[1]
Die 15-Punkte-Checkliste beim Besichtigungstermin
Rumpf & Unterwasserschiff
- Osmose prüfen: Bei GFK-Booten nach Blasen im Gelcoat suchen (besonders am Unterwasserschiff). Klopftest: Gesundes GFK klingt hart und hell, osmosegeschädigtes dumpf und weich. Bei Verdacht: Feuchtigkeitsmessung mit Osmose-Messgerät.
- Risse & Beschädigungen: Haarrisse im Gelcoat sind oft kosmetisch. Strukturelle Risse (durchgehend, breit) sind teuer. Unter der Wasserlinie: Jeder Riss ist kritisch.
- Kiel & Ruder: Spiel im Ruder? Kielbolzen fest? Bei Kielbooten: Kielnaht auf Risse prüfen.
- Antifouling: Dicke Schichten altes Antifouling deuten auf viele Jahre im Wasser hin. Stärke messen — ab 1mm sollte alles runter (€500-1.500 beim Profi).
Motor & Antrieb
- Betriebsstunden: Bei Innenbordmotoren steht's auf dem Betriebsstundenzähler. Bei Außenbordern gibt es oft keinen — frag nach Nutzungsprofil. Diesel: 3.000-5.000h = Halbzeit. Benzin: 1.500-2.500h = Halbzeit.
- Motortest: Kaltstart beobachten (sollte nach 2-3 Versuchen laufen). Rauchfarbe: Weiß beim Warmwerden = normal. Blau = Ölverbrauch. Schwarz = Einspritzung defekt. Laufgeräusche: Gleichmäßig, kein Klopfen.
- Probefahrt: PFLICHT! Alle Drehzahlen testen, Geradeauslauf prüfen, Vibrationen? Öldruck und Temperatur im normalen Bereich? Schaltung leichtgängig?
- Motorraum: Sauber = gepflegt. Ölspuren, Korrosion, provisorische Reparaturen = Warnsignale.
Deck & Aufbauten
- Deck-Festigkeit: Drauf treten und prüfen: Gibt es weiche Stellen? Schwammiges Deck = Wassereinbruch im Kernmaterial = sehr teuer.
- Beschläge & Durchbrüche: Alle Decksdurchführungen (Relingstützen, Winschen, Klampen) auf festen Sitz prüfen. Undichte Stellen sind häufigste Schadensursache.
- Fenster & Luken: Dichtungen prüfen. Milchige Scheiben bei Doppelverglasung = undicht.
Innenraum & Elektrik
- Feuchtigkeit: Riecht es muffig? Schimmelflecken? Wasserränder? An versteckten Stellen prüfen (unter Polstern, hinter Schränken, im Vorschiff).
- Elektrik: Alle Schalter testen. Batterien: Alter? Spannung unter Last? Landstrom-Anschluss funktioniert? Navigationslichter okay?
- Bordelektronik: GPS, Echolot, UKW-Funk — funktioniert alles? Veraltete Geräte ersetzen kostet schnell €1.000+.
Papiere & Rechtliches
- Eigentumsnachweise: Kaufvertrag des Vorbesitzers, Internationaler Bootsschein (IBS) oder Flaggenzertifikat. CE-Konformitätserklärung (Pflicht für Boote nach 1998). Keine Papiere = Finger weg.
Typische Mängel & was sie kosten
| Mangel | Häufigkeit | Reparaturkosten | Selbst machbar? |
|---|---|---|---|
| Osmose (GFK) | Häufig (>10 Jahre) | €2.000-8.000 | Möglich, aber aufwendig |
| Motor-Revision | Mittel | €1.500-5.000 | Nein |
| Antifouling erneuern | Sehr häufig | €500-1.500 | Ja |
| Segel erneuern | Häufig (>8 Jahre) | €1.000-5.000/Segel | Nein (Segelmacher) |
| Deck-Teak erneuern | Mittel | €3.000-15.000 | Nur mit Erfahrung |
| Polster neu | Häufig | €500-3.000 | Teilweise |
| Elektrik komplett | Mittel | €1.000-4.000 | Mit Kenntnissen |
| Rigg-Check (Segelboot) | Pflicht alle 10 Jahre | €500-2.000 | Nein (Rigger) |
Gut zu wissen — Die 10%-Regel: Plane als Faustregel 10% des Kaufpreises pro Jahr für Unterhalt ein. Ein Boot für €15.000 kostet dich also ~€1.500/Jahr (Liegeplatz, Versicherung, Wartung, Reparaturen). In der Realität schwankt das stark — aber als Budget-Planung ist es ein guter Richtwert.[2]
Was darf ein gebrauchtes Boot kosten? Richtwerte 2026
| Bootstyp | Alter 5 Jahre | Alter 10 Jahre | Alter 20 Jahre |
|---|---|---|---|
| Schlauchboot (3-4m) | €800-2.000 | €300-800 | Selten noch brauchbar |
| GFK-Motorboot (5-7m) | €15.000-30.000 | €8.000-18.000 | €3.000-10.000 |
| Segelboot (7-10m) | €25.000-60.000 | €12.000-35.000 | €5.000-20.000 |
| Kajak/Kanu | €400-800 | €200-500 | €100-300 |
| SUP Board | €200-500 | €100-250 | — |
Wertverlust-Faustregel: Ein Boot verliert in den ersten 3 Jahren ~30-40% seines Neupreises, danach ~5-8% pro Jahr. Nach 15-20 Jahren flacht die Kurve ab — gepflegte Klassiker halten ihren Wert oder steigen sogar.
Preisverhandlung & Übergabe
Verhandlungstipps
- Marktpreis recherchieren: Vergleiche auf Boot24 und eBay Kleinanzeigen, was ähnliche Modelle kosten.
- Mängel sachlich ansprechen: Nicht kritisieren, sondern faktisch: „Der Motor hat 2.500h, eine Revision steht an — das kostet ~€3.000."
- Im Herbst kaufen: 10-20% Verhandlungsspielraum, weil Eigner Winterlager-Kosten sparen wollen.
- Bar zahlen: Viele Privatverkäufer geben für Barzahlung nochmal 5-10% Nachlass.
- Geduld: Nie das erste Boot kaufen. Mindestens 3-5 besichtigen, um ein Gefühl für den Markt zu bekommen.
Kaufvertrag & Übergabe
- Schriftlicher Kaufvertrag (Muster beim ADAC oder DMYV erhältlich)
- Personalausweis beider Parteien kopieren
- Alle Papiere übergeben: IBS, CE-Erklärung, Motorpapiere, Versicherungsnachweis
- Zubehör schriftlich auflisten (was bleibt an Bord?)
- Übergabeprotokoll mit Fotos
- Ummeldung beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) innerhalb von 30 Tagen
Häufig gestellte Fragen
Worauf muss ich beim Kauf eines gebrauchten Bootes achten?
Die wichtigsten Prüfpunkte: Rumpfzustand (Osmose, Risse), Motor (Kompression, Lauftest), Elektrik, Deck und Aufbauten (Undichtigkeiten), Papiere (CE-Kennzeichnung, Eigentumsnachweis). Immer Probefahrt machen und bei teuren Booten einen Gutachter beauftragen.
Wo kann man am besten gebrauchte Boote kaufen?
Die größten Plattformen: Boot24.de, eBay Kleinanzeigen, Boat24.com (international). Auch Bootshändler bieten Gebrauchtboote mit Gewährleistung. Vereinshäfen haben oft die besten privaten Angebote.
Lohnt sich ein Gutachter beim Bootskauf?
Ab einem Kaufpreis von ~€10.000 absolut. Ein Gutachter kostet €300-600 und kann versteckte Mängel im Wert von tausenden Euro aufdecken. Bei Booten unter €5.000 reicht die Checkliste oben und ein erfahrener Bootsfreund als Begleitung.
Quellen
- ADAC — Gebrauchtboot-Ratgeber: Tipps für den Kauf (2024)
- Deutscher Motoryachtverband (DMYV) — Leitfaden Bootskauf (2025)
- Boot24.de — Marktpreisanalyse Gebrauchtboote Deutschland (2025)
