Ein Kratzer im Gelcoat, ein Riss im Rumpf oder die gefürchteten Osmoseblasen — GFK-Boote (Glasfaserverstärkter Kunststoff) sind robust, aber nicht unzerstörbar. Die gute Nachricht: Viele Schäden lassen sich mit dem richtigen Material und etwas Geduld selbst reparieren.

Diese Anleitung zeigt dir Schritt für Schritt, wie du dein GFK-Boot reparierst — vom kleinen Kratzer bis zur mittleren Rumpfreparatur.

Was du brauchst: Material-Liste

Vosschemie Polyester Repair Kit (800g)

Das Komplettset für die meisten GFK-Reparaturen: Polyesterharz, Härter und Glasfasermatte in einer Box. Reicht für mehrere kleinere Reparaturen.

Weitere Materialien, die du brauchst:

⚠️ Sicherheitshinweis

Polyester- und Epoxidharze enthalten Lösungsmittel und Reaktivkomponenten. Arbeite immer im Freien oder in gut belüfteten Räumen. Trage Nitril-Handschuhe (kein Latex!), Schutzbrille und Atemschutz. Hautkontakt mit Härter kann Allergien auslösen.

Polyester vs. Epoxid — welches Harz für welchen Schaden?

EigenschaftPolyesterharzEpoxidharz
PreisGünstig (~10-15 €/kg)Teurer (~25-40 €/kg)
HaftungGut auf Polyester-GFKHervorragend auf allem
WasserdichtigkeitGutSehr gut (osmosefest)
VerarbeitungEinfacher, schnellerMischverhältnis kritischer
GeruchStark (Styrol)Gering
Ideal fürKratzer, kleine RisseStrukturelle Reparaturen, Osmose

Faustregel: Für oberflächliche Schäden reicht Polyesterharz. Bei strukturellen Reparaturen unterhalb der Wasserlinie oder bei Osmose-Sanierung immer Epoxid verwenden.

Anleitung 1: Kratzer & Gelcoat-Schäden reparieren

Schwierigkeit: Leicht | Dauer: 2-3 Stunden (plus Trockenzeit) | Kosten: ca. 15-30 €

  1. Reinigen: Schadstelle mit Aceton oder Bootsreiniger gründlich entfetten. Lose Teile entfernen.
  2. Anschleifen: Mit 240er Schleifpapier den Bereich um den Kratzer aufrauen (ca. 2-3 cm über den Schadensrand). Das gibt dem neuen Gelcoat Halt.
  3. Abkleben: Bereich um die Reparaturstelle sauber abkleben.
  4. Gelcoat anmischen: Gelcoat mit Härter nach Herstellerangabe mischen (meist 2% Härter). Gut verrühren.
  5. Auftragen: Gelcoat mit einem kleinen Spachtel oder Pinsel in den Kratzer füllen. Lieber etwas mehr als zu wenig — man schleift später ab.
  6. Aushärten lassen: 24 Stunden bei mindestens 15°C. Folie auflegen gegen Luftsauerstoff (hemmt Polyester-Aushärtung an der Oberfläche).
  7. Schleifen: Erst 240er, dann 400er, dann 600er Nassschleifpapier. Zum Schluss mit Poliermaschine oder von Hand polieren.

Anleitung 2: Risse und Löcher reparieren

Schwierigkeit: Mittel | Dauer: 4-6 Stunden (plus Trockenzeit) | Kosten: ca. 30-60 €

  1. Schadstelle freilegen: Altes, loses GFK mit Dremel oder Schleifer entfernen. Den Riss bis ins gesunde Material hinein V-förmig aufschleifen.
  2. Großflächig anschleifen: 80er Schleifpapier, mindestens 5 cm über den Schadensrand. Je größer die Schleiffläche, desto besser die Haftung.
  3. Glasfasermatte zuschneiden: 3-4 Lagen in steigender Größe schneiden (kleinste Lage in den Riss, größte überdeckt alles).
  4. Harz anmischen: Polyester- oder Epoxidharz nach Anleitung mit Härter mischen. Nur so viel anmischen, wie du in 15-20 Minuten verarbeiten kannst.
  5. Laminieren: Erste Lage Harz auftragen → Glasfasermatte einlegen → mit Pinsel oder Rolle durchtränken → nächste Lage. Luftblasen mit Entlüftungsrolle entfernen.
  6. Aushärten: 24-48 Stunden. Nicht unter 15°C, nicht in der prallen Sonne.
  7. Finish: Überschüssiges Material abschleifen (80er → 120er → 240er). Mit Gelcoat versiegeln und polieren.

💡 Profi-Tipp: Reparatur von innen

Wenn möglich, repariere immer auch von der Innenseite. Innen zuerst 2-3 Lagen Glasfasermatte auflaminieren, dann von außen die sichtbare Seite sauber spachteln und mit Gelcoat versiegeln. Das ergibt die stabilste Reparatur.

Anleitung 3: Osmose behandeln

Schwierigkeit: Schwer | Dauer: Mehrere Tage | Kosten: ca. 200-500 € (DIY)

Osmoseblasen sind der gefürchtete „GFK-Krebs": Wasser dringt durch den Gelcoat ins Laminat ein und bildet Blasen. Unbehandelt wird das Laminat mit der Zeit weich und verliert seine Festigkeit.

  1. Alle Blasen öffnen: Mit Schaber oder Schleifer die Blasen aufschleifen. Die essigsauer riechende Flüssigkeit ablaufen lassen.
  2. Gelcoat entfernen: Im betroffenen Bereich (bei starkem Befall: komplett unterhalb der Wasserlinie) den Gelcoat bis aufs Laminat abschleifen oder strahlen.
  3. Trocknen: Das Laminat muss komplett austrocknen — mindestens 2-4 Wochen bei Raumtemperatur. Feuchtigkeitsmessgerät verwenden (unter 5% sollte er liegen).
  4. Mit Epoxid versiegeln: Mindestens 4-6 Lagen Epoxid-Barrierebeschichtung (z.B. International Gelshield 200) auftragen. Jede Lage nach Herstellerangabe trocknen lassen.
  5. Antifouling: Nach vollständiger Aushärtung 2 Lagen Antifouling als Bewuchsschutz auftragen.

Wichtig: Bei Osmose IMMER Epoxid verwenden, niemals Polyester. Polyester ist wasserdurchlässiger und die Osmose kommt zurück.

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Typische Fehler bei der GFK-Reparatur

Wann zum Profi?

Diese Schäden gehören in die Werft:

FAQ

Was kostet eine GFK-Reparatur am Boot?

Kleine Reparaturen (Kratzer, Risse bis 10cm) kosten als DIY etwa 20-50 € für Material. Professionelle Reparaturen in der Werft kosten 50-150 €/Stunde plus Material. Osmose-Sanierung: 2.000-5.000 €.

Kann man GFK-Schäden selbst reparieren?

Ja, kleinere Schäden wie Kratzer, oberflächliche Risse und kleine Löcher lassen sich mit einem GFK-Reparaturset gut selbst beheben. Bei strukturellen Schäden sollte ein Fachbetrieb ran.

Polyester oder Epoxid für die GFK-Reparatur?

Für oberflächliche Schäden reicht Polyesterharz (günstiger, einfacher). Bei strukturellen Reparaturen unterhalb der Wasserlinie oder bei Osmose-Sanierung immer Epoxid verwenden (bessere Haftung, wasserdichter).

Wie lange muss GFK-Harz trocknen?

Polyesterharz: Griffest nach 2-4 Stunden, belastbar nach 24 Stunden, voll ausgehärtet nach 48-72 Stunden. Epoxidharz: Ähnlich, aber temperaturabhängiger. Unter 15°C deutlich länger.

Fazit

GFK-Reparaturen am Boot sind kein Hexenwerk. Mit dem richtigen Reparaturset, etwas Geduld und dieser Anleitung kannst du Kratzer, Risse und kleine Löcher selbst beheben. Wichtig: Sorgfältig arbeiten, richtig schleifen und die Trockenzeiten einhalten. Dann hält die Reparatur jahrelang.