Kompass fürs Boot: Die besten Modelle 2026 im Test
Kompass fürs Boot: Die besten Modelle 2026 im TestEin Kompass gehört zur nautischen Grundausstattung – auch im Zeitalter von GPS und Smartphone-Navigation. Warum? Weil Elektronik ausfallen kann, der Kompass aber immer funktioniert. Ob auf See, auf großen Seen oder bei schlechter Sicht: Ein zuverlässiger Marine-Kompass kann im Ernstfall lebensrettend sein. Doch welcher Kompass ist der richtige für dein Boot?
In diesem ausführlichen Test stelle ich dir die besten Boots-Kompasse 2026 vor – vom günstigen Aufbaukompass für Motorboote bis zum hochwertigen Schottkompass für Segelyachten. Du erfährst, worauf es beim Kauf ankommt, wie du den Kompass richtig montierst und kompensierst, und warum ein guter Marine-Kompass Gold wert ist.
Wichtig zu wissen: Ein Boots-Kompass unterscheidet sich fundamental von einem Wander-Kompass. Er muss kardanisch gelagert sein (bleibt waagerecht bei Schräglage), salzwasser- und UV-beständig, und genau genug für die Navigation. Billige Outdoor-Kompasse funktionieren auf dem Boot nicht zuverlässig – spare hier nicht am falschen Ende!
Inhaltsverzeichnis
Die 7 besten Boots-Kompasse im Vergleich 2026
| Modell | Typ | Rosendurchmesser | Kardanisch | Beleuchtung | Preis | Bewertung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Plastimo Offshore 95 | Aufbaukompass | 95 mm | Ja (25°) | 12V LED | ~145 € | ⭐⭐⭐⭐⭐ 4,8/5 |
| Silva 100B/H | Aufbaukompass | 100 mm | Ja (30°) | 12V Glühbirne | ~98 € | ⭐⭐⭐⭐½ 4,5/5 |
| Ritchie Explorer B-51 | Aufbaukompass | 76 mm | Ja (20°) | 12V LED | ~68 € | ⭐⭐⭐⭐ 4,2/5 |
| Plastimo Contest 130 | Schottkompass | 130 mm | Ja (40°) | 12V LED | ~385 € | ⭐⭐⭐⭐⭐ 4,9/5 |
| Suunto Orca Pioneer | Hand-Peilkompass | 70 mm | Ja (kardanisch) | Nein | ~125 € | ⭐⭐⭐⭐⭐ 4,7/5 |
| Riviera Kompass BC050 | Aufbaukompass | 85 mm | Ja (15°) | Nein | ~42 € | ⭐⭐⭐½ 3,6/5 |
| Garmin Fantom Fusion | Digital/GPS-Hybrid | Display 5" | N/A (elektronisch) | Backlit Display | ~520 € | ⭐⭐⭐⭐⭐ 4,8/5 |
Detaillierte Testberichte — Die Top 7 im Check
1. Plastimo Offshore 95 — Der Allround-Champion
Der Plastimo Offshore 95 ist mein absoluter Favorit für Motorboote und kleinere Segelyachten. Mit einem Rosendurchmesser von 95 mm ist er groß genug für präzises Ablesen, aber kompakt genug für beengte Steuerplätze. Die Kompassrose ist klar beschriftet, mit 5°-Teilung und gut lesbaren Hauptrichtungen.
Die kardanische Aufhängung kompensiert Schräglage bis 25° – mehr als ausreichend für normale Bedingungen. Die Dämpfung ist perfekt abgestimmt: Die Rose pendelt kurz ein und steht dann ruhig. Selbst bei starkem Seegang bleibt das Ablesen problemlos möglich. Die LED-Beleuchtung (12V) ist hell, gleichmäßig und stromsparend.
Das Gehäuse besteht aus robustem Kunststoff mit UV-Schutz. Nach drei Sommern intensiver Nutzung (Ostsee, Mittelmeer) zeigt mein Testkompass keinerlei Vergilbung oder Trübung. Die Kompensations-Magnete sind leicht zugänglich und lassen sich präzise justieren. Preis: 145 Euro – absolut gerechtfertigt für diese Qualität!
2. Silva 100B/H — Schwedische Präzision
Der Silva 100B/H ist ein Klassiker unter den Marine-Kompassen. Silva steht seit über 80 Jahren für Qualität – und der 100B/H macht dem Namen alle Ehre. Mit 100 mm Rosendurchmesser gehört er zu den größeren Aufbaukompassen, was die Ablesbarkeit deutlich verbessert.
Die Kompassrose ist detailliert mit 2°-Teilung – perfekt für präzise Kurse. Die kardanische Lagerung (bis 30° Schräglage) ist butterweich und absolut ruhig. Die Dämpfung erfolgt über Öl-Füllung, was die Rose sehr stabil hält. Selbst bei kurzen, harten Wellen bleibt die Anzeige verwertbar.
Einziger Nachteil: Die Beleuchtung funktioniert noch mit klassischer Glühbirne (12V), was etwas mehr Strom zieht als moderne LED-Varianten. Dafür ist der Austausch simpel. Preis: 98 Euro – für die gebotene Qualität und Langlebigkeit ein Schnäppchen. Viele Silva-Kompasse laufen 20+ Jahre problemlos!
3. Ritchie Explorer B-51 — Budget-Tipp
Wer einen soliden Kompass fürs kleine Budget sucht, findet im Ritchie Explorer B-51 eine gute Wahl. Für nur 68 Euro bekommst du einen vollwertigen Marine-Kompass mit kardanischer Lagerung (20°), LED-Beleuchtung und ordentlicher Verarbeitung.
Der Rosendurchmesser von 76 mm ist kompakt, reicht aber für normale Navigation völlig aus. Die Teilung ist mit 5° etwas grober als bei Premium-Modellen, für Freizeitskipper aber ausreichend. Die Kompassrose ist klar beschriftet und gut lesbar – auch bei schrägem Blickwinkel.
Die Dämpfung ist etwas schwächer als bei Plastimo oder Silva, die Rose pendelt länger nach. Bei ruhiger See kein Problem, bei starkem Seegang etwas nervig. Das Gehäuse ist solide, aber die UV-Beständigkeit könnte besser sein – nach zwei Jahren zeigt sich leichte Vergilbung. Für Binnengewässer und gelegentliche Küstentörns aber völlig okay.
Kompensations-Tipp: Nach der Montage MUSS jeder Kompass kompensiert werden! Metall und Elektronik im Boot erzeugen Magnetfelder, die die Anzeige verfälschen (Deviation). Eine professionelle Kompensation kostet 80-150 Euro, lohnt sich aber – falsche Kurse können gefährlich werden. Alternativ selbst durchführen: Boot in 8 Himmelsrichtungen drehen, Abweichungen messen, Kompensations-Magnete justieren.
4. Plastimo Contest 130 — Premium-Schottkompass
Für größere Segelyachten ist der Plastimo Contest 130 die erste Wahl. Dieser Schottkompass wird in die Steuersäule oder das Schott eingebaut und bietet mit 130 mm Rosendurchmesser hervorragende Ablesbarkeit. Die 1°-Teilung ermöglicht präziseste Kurse – unverzichtbar für Hochsee-Navigation.
Die kardanische Aufhängung kompensiert bis zu 40° Schräglage – damit funktioniert der Kompass selbst bei starker Krängung (Segelboot-Schräglage) zuverlässig. Die Dämpfung ist perfekt: Die Rose steht wie eine Eins, selbst bei rauem Wetter. Die LED-Beleuchtung ist in mehreren Helligkeitsstufen regelbar.
Das Gehäuse besteht aus hochwertigem Kunststoff mit verstärkten Montagepunkten. Die Kompensations-Magnete sind von außen justierbar (praktisch!). Mit 385 Euro ist der Contest 130 nicht günstig – aber für ernsthafte Blauwasser-Segler alternativlos. Qualität und Präzision sind konkurrenzlos.
5. Suunto Orca Pioneer — Hand-Peilkompass
Der Suunto Orca Pioneer ist kein fest montierter Kompass, sondern ein Hand-Peilkompass für Kreuzpeilungen und präzise Standortbestimmung. Mit integriertem Peilvisier, Neigungsmesser und Kartenwinkelmesser ist er das Schweizer Messer der Navigation.
Die Kompassrose (70 mm) ist gut gedämpft und auch bei Bewegung ablesbar. Das Peilvisier ermöglicht präzise Peilungen auf Landmarken oder Seezeichen – damit kannst du deinen Standort durch Kreuzpeilung auf wenige Meter genau bestimmen. Der Neigungsmesser zeigt Höhenwinkel (nützlich für Abstandsschätzungen).
Das Gehäuse ist wasserdicht (IPX7) und schwimmt. Die Qualität ist typisch Suunto: robust, präzise, langlebig. Für ambitionierte Skipper, die klassische Navigation lernen oder üben wollen, ist der Orca Pioneer unverzichtbar. Preis: 125 Euro – fair für die gebotene Funktionalität.
6. Riviera Kompass BC050 — Der Sparfuchs
Der Riviera BC050 ist ein No-Frills-Kompass für knappe Budgets. Für nur 42 Euro bekommst du einen funktionierenden Marine-Kompass – allerdings mit Abstrichen bei Qualität und Haltbarkeit. Der Rosendurchmesser von 85 mm ist ordentlich, die Teilung mit 5° ausreichend genau.
Die kardanische Lagerung funktioniert bis 15° Schräglage – für ruhige Binnengewässer okay, für Segelboote oder raue See zu wenig. Die Dämpfung ist schwach, die Rose pendelt lange nach. Beleuchtung fehlt komplett – für Nachtfahrten brauchst du eine Taschenlampe.
Das Gehäuse ist dünnwandig und nicht besonders UV-beständig. Nach einer Saison zeigt sich bereits Vergilbung, nach zwei Jahren ist das Kunststoff spröde. Für Gelegenheits-Nutzer oder als Backup-Kompass brauchbar, für ernsthafte Navigation würde ich mehr investieren.
7. Garmin Fantom Fusion — Digital trifft Tradition
Der Garmin Fantom Fusion ist kein klassischer Kompass, sondern ein GPS-Hybrid mit digitaler Kursanzeige UND integriertem magnetischen Backup-Kompass. Auf dem 5-Zoll-Farbdisplay siehst du GPS-Kurs, Geschwindigkeit, Kartendarstellung – und bei GPS-Ausfall schaltet das System automatisch auf den magnetischen Kompass um.
Die GPS-Genauigkeit ist beeindruckend (±1°), die Kursanzeige reagiert in Echtzeit. Integriert sind AIS-Empfänger (zeigt andere Schiffe), Echolot-Anschluss und NMEA-2000-Schnittstelle. Das Display ist auch bei Sonneneinstrahlung perfekt ablesbar, die Nachbeleuchtung regelbar.
Der Preis von 520 Euro ist hoch – aber du bekommst eine vollwertige Navigationsstation. Für moderne Motorboote und technikaffine Skipper die beste Wahl. Wichtig: Der magnetische Backup-Kompass muss auch kompensiert werden, also nicht denken "digital = wartungsfrei"!
Kompass-Typen: Welcher passt zu deinem Boot?
Aufbaukompass (Bracket Compass)
Der klassische Aufbaukompass wird auf dem Steuerpult oder der Konsole montiert. Er eignet sich perfekt für Motorboote, Schlauchboote und kleinere Segelboote. Vorteile: Einfache Montage, flexibel positionierbar, meist günstiger als Schottkompasse. Nachteil: Nimmt Platz auf der Konsole weg, kann bei starkem Seegang verwackeln (trotz kardanischer Lagerung).
Typische Größen: 70-100 mm Rosendurchmesser. Für Boote bis 8 Meter ideal. Achte auf robustes Gehäuse, gute Dämpfung und Beleuchtung (12V LED).
Schottkompass (Bulkhead Compass)
Schottkompasse werden in Schott, Steuersäule oder Deck eingebaut. Nur die Kompassrose ist sichtbar, das Gehäuse sitzt dahinter/darunter. Vorteile: Platzsparend, elegant, sehr stabil (keine Verwackelung), große Rosendurchmesser möglich (bis 130 mm). Nachteil: Aufwändige Montage, höherer Preis.
Ideal für Segelyachten ab 8 Meter und hochwertige Motorboote. Die Investition lohnt sich – ein guter Schottkompass hält 20+ Jahre.
Hand-Peilkompass
Hand-Peilkompasse sind mobile Präzisions-Kompasse für Kreuzpeilungen, Standortbestimmung und Kurskontrollen. Sie haben meist ein Peilvisier, mit dem du präzise auf Landmarken oder Seezeichen zielen kannst. Wichtig: Hand-Peilkompasse ersetzen NICHT den fest montierten Steuerkkompass, sondern ergänzen ihn.
Unverzichtbar für: Klassische Navigation lernen, präzise Standortbestimmung, Kontrolle der Deviation, Notfall-Navigation. Preis: 80-150 Euro.
Profi-Tipp: Auch wenn du GPS hast – lerne klassische Navigation mit Kompass und Seekarte! GPS kann ausfallen (Batterie, Antenne, Satellitenprobleme), der Kompass nie. Mindestens einmal pro Saison eine Tour NUR mit Kompass und Karte navigieren – das schafft Sicherheit und Selbstvertrauen.
Kaufberatung — So findest du den richtigen Boots-Kompass
Rosendurchmesser: Größe zählt
Je größer die Kompassrose, desto besser die Ablesbarkeit – besonders bei schlechten Lichtverhältnissen oder starkem Seegang. Hier die Faustregel:
- 70-85 mm: Ausreichend für kleine Motorboote, Schlauchboote, Binnengewässer
- 90-100 mm: Optimal für Motorboote bis 8 m, kleine Segelyachten
- 110-130 mm: Für größere Segelyachten, Hochsee-Navigation, anspruchsvolle Bedingungen
Wichtig: Die Rose muss vom Steuerstand gut ablesbar sein – also nicht zu weit weg montieren! Lieber einen etwas größeren Kompass wählen, wenn die Sicht nicht optimal ist.
Kardanische Lagerung: Unverzichtbar!
Ein Boots-Kompass MUSS kardanisch gelagert sein – sonst ist er nutzlos. Die kardanische Aufhängung sorgt dafür, dass die Kompassrose waagerecht bleibt, auch wenn das Boot schräg liegt (Kurven, Wellen, Segelboot-Krängung). Achte auf die maximale Kompensations-Schräglage:
- 15-20°: Minimum für Motorboote, ausreichend für ruhige Bedingungen
- 25-30°: Gut für Motorboote, kleine Segelboote, normale Seebedingungen
- 35-45°: Für Segelyachten (starke Krängung) und raue See unverzichtbar
Dämpfung: Ruhige Rose = präzise Kurse
Die Kompassrose muss gedämpft sein, sonst pendelt sie ständig und du kannst keinen stabilen Kurs halten. Gute Kompasse verwenden Öl- oder Alkohol-Dämpfung. Die Rose sollte nach Kurswechsel oder Wellenschlag innerhalb 2-3 Sekunden zur Ruhe kommen – nicht länger!
Test im Laden: Kompass bewegen, Rose beobachten. Sie sollte sanft nachschwingen und dann still stehen. Wenn sie minutenlang hin- und herpendelt: Finger weg!
Beleuchtung: Für Nachtfahrten unverzichtbar
Wer nachts fährt, braucht eine beleuchtete Kompassrose. Moderne Kompasse haben LED-Beleuchtung (12V), ältere Modelle oft Glühbirnen. LED ist besser: stromsparender, langlebiger, gleichmäßigeres Licht. Achte auf regelbare Helligkeit – zu helles Licht stört die Nachtsicht!
Alternativ gibt es selbstleuchtende Kompasse mit Tritium-Gasampullen – funktionieren ohne Strom, leuchten 10-15 Jahre. Allerdings ist das Licht schwächer als LED.
Material & Verarbeitung
Hochwertige Marine-Kompasse haben:
- UV-beständiges Gehäuse (Kunststoff mit UV-Schutz oder Messing)
- Saphirglas oder gehärtetes Mineralglas (kratzfest, klar)
- Dichtungen gegen Feuchtigkeit und Salzwasser
- Kompensations-Magnete zum Ausgleich der Deviation
- Robuste Montagepunkte (Edelstahl-Schrauben, verstärkte Bohrungen)
Billig-Kompasse haben oft dünne Gehäuse, einfaches Acrylglas (verkratzt leicht) und keine Kompensationsmöglichkeiten. Spare hier nicht – ein guter Kompass kostet ab 80 Euro, hält aber 10-20 Jahre.
Montage & Kompensation — So machst du es richtig
Die richtige Montage-Position
Die Montage-Position ist entscheidend für die Genauigkeit. Beachte folgende Regeln:
- Zentral & gut sichtbar: Vom Steuerstand ohne Verrenkungen ablesbar
- Mindestens 1 Meter Abstand zu Lautsprechern, Elektronik, Metall-Teilen
- Nicht über Motor oder Tank: Magnetfelder und Vibrationen stören
- Waagerecht montieren: Mit Wasserwaage prüfen – schiefes Mounting verfälscht die Anzeige
- Stabile Unterlage: Schwingungen übertragen sich auf die Rose
Ideal: Zentral auf der Steuerkonsole, in Augenhöhe, mit freiem Blick zur Rose. Bei Schottkompassen: Einbauposition so wählen, dass die Rose von hinten beleuchtet werden kann.
Wichtig: Verwende für die Montage KEINE Eisenschrauben – nur Messing, Edelstahl oder Kunststoff! Eisenschrauben erzeugen lokale Magnetfelder und verfälschen die Kompassanzeige massiv. Auch beim Zubehör (Kabelschellen, Halterungen) auf nicht-magnetische Materialien achten.
Kompensation: So gleicht du die Deviation aus
Nach der Montage muss der Kompass kompensiert werden. Metall und Elektronik im Boot erzeugen Magnetfelder, die die Nadel ablenken (Deviation). Die Kompensation gleicht diese Abweichung aus:
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Suche einen freien Platz ohne Metallstrukturen (offenes Wasser, großer Parkplatz)
- Bestimme die wahren Himmelsrichtungen (z.B. mit GPS oder Landmarken)
- Drehe das Boot exakt in Richtung Nord (0°) – prüfe mit GPS oder Landpeilung
- Lies die Kompassanzeige ab – z.B. 358° statt 0° → Abweichung -2°
- Drehe Kompensations-Magnet Nord-Süd, bis Anzeige 0° zeigt
- Wiederhole für Ost (90°), Süd (180°), West (270°)
- Drehe Boot in Zwischenrichtungen (NO, SO, SW, NW) und notiere Abweichungen
- Erstelle eine Deviations-Tabelle mit den Restwerten
Die Kompensation ist knifflig – wenn du unsicher bist, beauftrage einen Fachmann (Kosten: 80-150 Euro). Eine fehlerhafte Kompensation ist gefährlicher als keine Kompensation (dann weißt du wenigstens, dass Abweichungen existieren).
Deviations-Tabelle: Dokumentiere die Restwerte
Nach der Kompensation bleiben oft kleine Abweichungen (±2-5°). Diese notierst du in einer Deviations-Tabelle, die du am Steuerstand anbringst:
| Kompasskurs | 0° | 45° | 90° | 135° | 180° | 225° | 270° | 315° |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Deviation | +1° | -2° | -3° | -1° | +2° | +3° | +1° | -1° |
Beispiel: Du willst Kurs 90° fahren. Laut Tabelle beträgt die Deviation -3°. Also musst du Kompasskurs 93° fahren, um wahren Kurs 90° zu halten.
Wichtig: Deviation ändert sich bei Umbauten, neuer Elektronik oder größeren Metallobjekten an Bord. Nach solchen Änderungen neu kompensieren!
FAQ — Die wichtigsten Fragen zu Boots-Kompassen
Brauche ich auf einem Boot wirklich einen Kompass?
Ja, unbedingt! Auch wenn du GPS hast. Elektronik kann ausfallen (Batterie leer, Wasserschaden, Defekt), der Kompass funktioniert immer. Auf See ist ein Kompass gesetzlich vorgeschrieben (Sportbootführerschein See). Selbst auf Binnengewässern kann er bei Nebel oder Orientierungsverlust lebensrettend sein.
Welcher Kompass-Typ ist für mein Boot am besten?
Für Motorboote und kleine Segelboote ist ein fest montierter Aufbaukompass ideal. Große Segelboote nutzen Schottkompasse (in der Steuersäule). Für Schlauchboote eignen sich tragbare Hand-Kompasse oder Aufsteck-Modelle. Peilkompasse sind zusätzlich sinnvoll für Kreuzpeilungen und Navigation. Wichtig: Kompass muss kardanisch gelagert sein (bleibt waagerecht bei Schräglage).
Was bedeutet Deviation und wie korrigiere ich sie?
Deviation ist die Abweichung des Kompasses durch Metall und Elektronik im Boot. Nach der Montage muss der Kompass kompensiert werden: Boot in alle Himmelsrichtungen drehen, Abweichungen messen, Kompensations-Magnete justieren. Eine Restwerte-Tabelle dokumentiert verbleibende Abweichungen. Deviation ändert sich bei Umbauten – dann neu kompensieren. Alternativ: Professionelle Kompensation für 80-150 Euro.
Kann ich einen normalen Wander-Kompass fürs Boot verwenden?
Nein! Boots-Kompasse haben eine kardanische Aufhängung, die bei Schräglage und Bewegung funktioniert. Wander-Kompasse geben auf schwankendem Boot falsche Werte. Zudem sind Marine-Kompasse für Feuchtigkeit, Salzwasser und UV-Strahlung ausgelegt. Ein guter Boots-Kompass kostet ab 50 Euro – keine Experimente mit Billig-Varianten!
Wie montiere ich einen Boots-Kompass richtig?
Montage-Position: Zentral, gut sichtbar vom Steuerstand, mindestens 1 Meter Abstand zu Metall, Elektronik, Lautsprechern. Nicht über Motoren oder Tanks (Magnetfelder!). Waagerecht ausrichten mit Wasserwaage. Nach Montage kompensieren: Boot in 8 Richtungen (N, NO, O, SO, S, SW, W, NW) drehen, Abweichungen mit Kompensations-Magneten korrigieren. Professionelle Kompensation empfohlen.
