Motorboot Kaufberatung 2026: Der komplette Guide

Motorboot Kaufberatung 2026: Der komplette GuideMotorboot Kaufberatung 2026: Der komplette Guide

Du träumst von einem eigenen Motorboot? Vom Gefühl der Freiheit auf dem Wasser, von spontanen Ausflügen zu versteckten Buchten, von Sonnenuntergängen auf dem See? Dann ist dieser Guide genau richtig für dich. Ich begleite dich durch den gesamten Kaufprozess – von der Frage "Welches Boot passt zu mir?" über Finanzierung und Führerschein bis hin zu versteckten Kosten und Wartung.

Ein Motorboot zu kaufen ist eine große Entscheidung. Es geht nicht nur um den Kaufpreis, sondern um laufende Kosten, Zeit für Wartung und die richtige Wahl des Bootstyps. Viele Erstkäufer unterschätzen den Aufwand – und bereuen ihren Kauf nach der ersten Saison. Mit diesem Guide passiert dir das nicht. Ich zeige dir ehrlich und praxisnah, was auf dich zukommt.

Die Wahrheit über Motorboote: Ein Boot besitzen ist nicht wie ein Auto besitzen. Es ist aufwändiger, teurer und zeitintensiver. Die Faustregel: Die laufenden Kosten (Liegeplatz, Versicherung, Wartung, Reparaturen) betragen etwa 15-25% des Kaufpreises pro Jahr. Ein Boot für 30.000 Euro kostet dich also 4.500-7.500 Euro jährlich – plus Sprit. Wenn dich das nicht abschreckt: Weiterlesen!

Bootstypen — Was passt zu dir?

Es gibt dutzende Motorboot-Typen. Hier sind die wichtigsten für Privat-Eigner:

1. Bowrider — Der Familien-Klassiker

Bowrider sind offene Motorboote mit zusätzlichen Sitzplätzen im Bug (daher der Name). Sie bieten Platz für 6-10 Personen, haben meist einen Außenborder oder Z-Antrieb und eignen sich perfekt für Tagesausflüge, Wassersport und Familien-Spaß.

Vorteile: Viel Platz, soziales Layout (alle sitzen zusammen), vielseitig nutzbar (Wakeboarding, Tubing, Cruisen), relativ günstig in Anschaffung und Unterhalt.

Nachteile: Kein Wetterschutz (offenes Boot), keine Kabine, nicht für Übernachtungen geeignet, bei Regen/Wind ungemütlich.

Typische Größe: 5-7 m | Preis: 20.000-80.000 € neu | Für wen: Familien, Wassersport-Fans, Tagesausflügler

2. Kabinen-Cruiser — Das Wochenend-Boot

Kabinen-Cruiser haben eine geschlossene Kabine mit Schlafplätzen, oft auch Pantry (Mini-Küche) und WC. Sie sind für mehrtägige Törns konzipiert und bieten Schutz vor Wind und Wetter. Ideal für Wochenend-Trips und kleine Urlaube auf dem Wasser.

Vorteile: Übernachtung an Bord möglich, Wetterschutz, autark (Küche, WC, Stauraum), luxuriöser als Bowrider.

Nachteile: Teurer, schwerer, höherer Spritverbrauch, weniger Platz für Tagesgäste, komplexer in Wartung und Handling.

Typische Größe: 7-10 m | Preis: 40.000-200.000 € neu | Für wen: Paare, Wochenend-Törns, Langstrecken-Fahrer

3. Konsolenboot — Der sportliche Allrounder

Konsolenboote haben eine zentrale oder seitliche Steuerkonsole und viel offene Deckfläche. Sie sind wendig, schnell und perfekt für Angler, Wassersportler und alle, die Performance über Komfort stellen. Es gibt sie als Center-Console (Konsole mittig) oder Side-Console (Konsole seitlich).

Vorteile: Sportlich, wendig, viel Deckfläche, ideal zum Angeln, robust, einfache Wartung.

Nachteile: Kein Wetterschutz, minimaler Komfort, kein Stauraum, nicht für Übernachtungen.

Typische Größe: 5-8 m | Preis: 15.000-60.000 € neu | Für wen: Angler, Wassersportler, Performance-Fans

Entscheidungshilfe: Frag dich: Wie nutze ich das Boot? Tagesausflüge (2-6 Stunden)? → Bowrider. Wochenend-Törns mit Übernachtung? → Kabinen-Cruiser. Angeln und Wassersport? → Konsolenboot. Die ehrliche Antwort bestimmt den richtigen Bootstyp – nicht der Traum vom "perfekten Boot für alles".

4. Schlauchboot mit Motor — Der flexible Starter

Motorisierte Schlauchboote (RIBs = Rigid Inflatable Boats) sind eine günstige Alternative zu Festrumpf-Booten. Sie kombinieren aufblasbare Schläuche mit festem Boden und können mit Außenbordern bis 50+ PS ausgerüstet werden. Perfekt für Einsteiger und Budget-bewusste Käufer.

Vorteile: Günstig (ab 3.000 € komplett), transportabel (Anhänger), robust, kein Liegeplatz nötig (Garage reicht), vielseitig.

Nachteile: Weniger Komfort, langsamer als Festrumpf-Boote, kein Wetterschutz, nicht für lange Strecken.

Typische Größe: 3-5 m | Preis: 3.000-15.000 € neu | Für wen: Einsteiger, Budget-Käufer, Gelegenheitsnutzer

Mehr dazu in unserem Schlauchboot mit Motor Test.

Kostenrechner — Was kostet ein Motorboot wirklich?

Der Kaufpreis ist nur die Spitze des Eisbergs. Hier die ehrliche Kostenaufstellung:

Einmalige Kosten (beim Kauf)

Position Kleines Boot (5 m) Mittleres Boot (7 m) Großes Boot (10 m)
Kaufpreis (gebraucht) 8.000-15.000 € 25.000-50.000 € 80.000-150.000 €
Trailer (wenn nötig) 1.500-3.000 € 3.000-6.000 € – (meist Liegeplatz)
Überführung 200-500 € 500-1.500 € 1.500-5.000 €
Erste Inspektion/Wartung 300-600 € 600-1.200 € 1.500-3.000 €
Zubehör/Sicherheit 500-1.000 € 1.000-2.000 € 2.000-5.000 €
GESAMT einmalig 10.500-20.100 € 30.100-60.700 € 85.000-163.000 €

Laufende Kosten (pro Jahr)

Position Kleines Boot (5 m) Mittleres Boot (7 m) Großes Boot (10 m)
Liegeplatz / Winterlager 600-1.500 € (Trailer) 1.500-4.000 € 4.000-10.000 €
Versicherung 200-400 € 400-800 € 1.000-2.500 €
Wartung & Service 300-700 € 700-1.500 € 2.000-5.000 €
Reparaturen (Rücklage) 300-600 € 600-1.200 € 1.500-3.000 €
TÜV / Bootscheck 100-200 € 150-300 € 300-600 €
Sprit (20 Einsätze/Jahr) 400-800 € 1.000-2.000 € 2.500-5.000 €
GESAMT pro Jahr 1.900-4.200 € 4.350-9.800 € 11.300-26.100 €

Fazit: Ein Motorboot für 30.000 Euro kostet dich im ersten Jahr (Kauf + laufende Kosten) etwa 35.000-40.000 Euro. In den Folgejahren 5.000-10.000 Euro pro Jahr. Wenn du 20 Mal pro Jahr ausfährst, kostet dich jede Ausfahrt 250-500 Euro – zusätzlich zum Spaß.

Spartipp: Kleinere Boote (bis 6 m) mit Trailer sind deutlich günstiger im Unterhalt. Kein teurer Liegeplatz (Garage/Stellplatz reicht), einfachere Wartung, niedrigere Versicherung. Viele Einsteiger kaufen zu groß – und verkaufen nach 2 Jahren wieder. Start small, upgrade later!

Motorisierung — Außenborder vs. Innenborder vs. Z-Antrieb

Außenborder (Outboard)

Der Motor sitzt außen am Heck, komplett schwenkbar. Standard bei kleineren Booten (bis 7 m).

Vorteile:

Nachteile:

Beste Wahl für: Boote bis 7 m, Einsteiger, Angler, Trailer-Boote

Innenborder (Inboard)

Der Motor sitzt fest im Rumpf, Antrieb über Welle und Propeller unter dem Boot. Standard bei größeren Booten (8+ m) und Yachten.

Vorteile:

Nachteile:

Beste Wahl für: Große Boote (8+ m), Dauernutzung, Komfort-orientierte Eigner

Z-Antrieb / Heckantrieb (Sterndrive)

Hybrid: Innenborder-Motor mit schwenkbarem Außenborder-Antrieb. Kombiniert Vorteile beider Systeme.

Vorteile:

Nachteile:

Beste Wahl für: Mittlere Boote (6-9 m), Performance-Fans, Kompromiss zwischen Komfort und Handling

Führerschein & Rechtliches

Welchen Führerschein brauche ich?

In Deutschland gibt es zwei Hauptführerscheine für Motorboote:

1. Sportbootführerschein Binnen (SBF Binnen)

Für Binnengewässer (Seen, Flüsse, Kanäle) ab 15 PS (11,03 kW) Motorleistung.

2. Sportbootführerschein See (SBF See)

Für Seeschifffahrtsstraßen (Nord-/Ostsee, bis 3 Seemeilen vor der Küste) ab 5 PS (3,68 kW).

Wichtig: Viele Bootsfahrer machen beide Scheine (Binnen + See). Oft gibt es Kombikurse (800-1.200 €), die Zeit und Geld sparen.

Führerscheinfrei fahren: Boote bis 15 PS auf Binnengewässern sind führerscheinfrei (ab 16 Jahren, in manchen Bundesländern ab 14 mit Prüfung). Viele Seen verbieten jedoch Motorboote komplett oder erlauben nur Elektro-Motoren. Immer vorher beim Gewässerbetreiber informieren!

Bootsregistrierung & Kennzeichnung

Motorboote müssen in Deutschland registriert und gekennzeichnet werden:

Versicherung — Pflicht oder Kür?

Eine Haftpflichtversicherung ist in Deutschland nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber absolut empfehlenswert. Bei Schäden an Dritten (Personen, Booten, Anlagen) haftest du unbegrenzt mit deinem Privatvermögen.

Kosten: 200-2.500 € jährlich (je nach Bootswert, Motorleistung, Nutzungsgebiet)

Wichtige Deckungen:

Gebraucht kaufen vs. Neu kaufen

Gebrauchtes Motorboot — Pro & Contra

Vorteile:

Nachteile:

Meine Empfehlung: Für Einsteiger ist ein gebrauchtes Boot (5-10 Jahre alt, gut gepflegt) die beste Wahl. Du sparst viel Geld, lernst ein Boot kennen und kannst nach 2-3 Jahren upgraden – ohne massive Verluste durch Wertverlust.

Neues Motorboot — Pro & Contra

Vorteile:

Nachteile:

Meine Empfehlung: Neuboot lohnt sich, wenn du a) genau weißt, was du willst, b) lange Freude am Boot haben willst (10+ Jahre), c) Garantie wichtig ist, d) Geld keine primäre Rolle spielt.

Geheimtipp: Kauf ein 1-2 Jahre altes Vorführboot oder Messeboot. Du bekommst quasi Neuboot-Zustand zum Gebrauchtboot-Preis (20-30% Rabatt). Viele Händler haben solche Boote – oft mit voller Restgarantie!

Kaufcheckliste — Darauf musst du achten (Gebrauchtkauf)

Vor dem Besichtigungstermin

Bei der Besichtigung — Rumpf-Check

Motor-Check — Das Herzstück

Probefahrt — Der Wahrheitstest

Papiere & Rechtliches

Profi-Tipp: Nimm einen Sachverständigen mit (200-500 € pro Check). Er erkennt versteckte Mängel (Osmose, Motorschäden, Rumpfprobleme), die dir entgehen. Die Kosten sparst du oft mehrfach durch bessere Verhandlungsposition oder Fehlkauf-Vermeidung!

Liegeplatz finden — Oft schwieriger als Bootkauf

Ein Liegeplatz ist für größere Boote (ab 7 m) meist Pflicht – und oft schwer zu bekommen. In beliebten Regionen (Seen, Küste) gibt es jahrelange Wartelisten.

Liegeplatz-Optionen

Tipp: Kläre den Liegeplatz VOR dem Bootkauf! Viele Erstkäufer kaufen ein Boot und suchen dann verzweifelt einen Platz. Falsche Reihenfolge!

Wartung & Pflege — So hält dein Boot länger

Jährliche Pflicht-Wartung

Regelmäßige Checks (vor jeder Saison)

FAQ — Die wichtigsten Fragen zur Motorboot-Kaufberatung

Was kostet ein Motorboot?

Ein kleines gebrauchtes Motorboot (4-5 m, Außenborder bis 50 PS) gibt es ab 5.000-15.000 Euro. Neue Boote dieser Größe kosten 15.000-40.000 Euro. Mittelgroße Boote (6-8 m, Innenborder) kosten neu 50.000-150.000 Euro. Luxus-Motoryachten (10+ m) starten bei 200.000 Euro und gehen bis in die Millionen. Zusätzlich: Laufende Kosten (Liegeplatz, Versicherung, Wartung) ca. 15-25% des Kaufpreises pro Jahr.

Brauche ich einen Führerschein für ein Motorboot?

In Deutschland brauchst du auf Binnengewässern ab 15 PS (11,03 kW) den Sportbootführerschein Binnen (SBF Binnen). Auf Seeschifffahrtsstraßen (Nord-/Ostsee) ab 5 PS (3,68 kW) den Sportbootführerschein See (SBF See). Boote bis 15 PS auf Binnengewässern sind führerscheinfrei (ab 16 Jahren). Achtung: In einigen Bundesländern gelten Sonderregelungen. Auf internationalen Gewässern oft ICC (International Certificate for Operators of Pleasure Craft) erforderlich.

Außenborder oder Innenborder – was ist besser?

Außenborder: Einfache Wartung, weniger Platzbedarf, leicht austauschbar, ideal für kleinere Boote (bis 7 m), Flachwasser geeignet. Nachteile: Lauter, weniger Stauraum im Heck. Innenborder: Leiser, mehr Platz im Boot, höhere Geschwindigkeit bei großen Booten, professioneller. Nachteile: Teure Wartung, komplexe Reparaturen. Für Einsteiger und Boote bis 6-7 m: Außenborder. Für große Boote (8+ m) und Dauernutzung: Innenborder oder Z-Antrieb.

Wie viel PS braucht mein Motorboot?

Als Faustregel: 1 PS pro 30-40 kg Bootsmasse für Verdrängerrümpfe (langsame Boote). Für Gleiter (schnelle Boote): 1 PS pro 20-25 kg. Beispiele: 5 m Boot (600 kg) = 25-30 PS für Gleitfahrt. 7 m Boot (1.200 kg) = 50-60 PS. Wichtiger als PS-Zahl: Propeller-Abstimmung, Rumpfform, Beladung. Zu viel Power = hoher Verbrauch, zu wenig = kein Gleiten. Herstellerangaben beachten (maximale Motorisierung).

Motorboot gebraucht kaufen – worauf achten?

Wichtigste Checks: 1) Rumpf auf Risse, Osmose (Gelcoat-Blasen), Beschädigungen prüfen. 2) Motor: Betriebsstunden, Wartungshistorie, Probefahrt (Startverhalten, Rauch, Geräusche). 3) Trailer: Rost, Bereifung, Beleuchtung. 4) Papiere: Bootsbrief, Versicherung, CE-Kennzeichnung. 5) Versteckte Mängel: Feuchtigkeit im Rumpf, defekte Elektrik, Osmose-Schäden. Tipp: Sachverständigen-Check (200-500 Euro) spart oft tausende Euro Reparaturkosten. Nie ohne Probefahrt kaufen!

Kai Petersen

Kai Petersen

Wassersport-Enthusiast und Boot-Tester seit 2018. Vom Schlauchboot bis zum Motorboot — ich teste alles auf Herz und Nieren. Mein Fokus: Praxistaugliche Empfehlungen für jedes Budget.