Sportboot kaufen — Worauf es wirklich ankommt
⚓ Gut zu wissen: In Deutschland werden jährlich rund 12.000 neue Sportboote zugelassen — dazu kommen geschätzt 30.000-40.000 Gebrauchtboot-Transaktionen. Der durchschnittliche Kaufpreis eines neuen Sportboots lag 2025 bei 38.500 €, gebrauchte Boote wechseln im Schnitt für 14.200 € den Besitzer.[1]
Ein Sportboot zu kaufen ist eine der besten Entscheidungen, die du treffen kannst — oder eine der teuersten Fehlinvestitionen. Der Unterschied liegt in der Vorbereitung. Ich habe in 15 Jahren auf dem Wasser drei eigene Boote besessen, dutzende zur Probe gefahren und bei Freunden mehr Fehlkäufe miterlebt, als mir lieb ist.
Das Muster ist immer dasselbe: Jemand verliebt sich auf einer Bootsmesse in ein glänzendes Neuboot, kauft emotional statt rational — und steht zwei Jahre später mit einem Boot da, das nicht zum Nutzungsprofil passt, zu teuer im Unterhalt ist oder schlicht am falschen Gewässer liegt. Damit dir das nicht passiert, habe ich diesen Kaufratgeber geschrieben.
Hier erfährst du alles, was ich über den Sportbootkauf weiß: Welche Rumpfform für welchen Einsatz, wie viel PS du wirklich brauchst, welche Marken liefern und welche Fehler du vermeiden musst. Kein Händler-Geschwätz, kein Hochglanz-Marketing — nur das, was zählt.
1. Was ist ein Sportboot eigentlich?
Der Begriff „Sportboot" ist im deutschen Wasserrecht klar definiert: Ein Sportboot ist ein Wasserfahrzeug unter 20 m Länge, das nicht gewerblich genutzt wird. In der Praxis umfasst das alles vom 3-Meter-Schlauchboot bis zur 19-Meter-Yacht. Im allgemeinen Sprachgebrauch meinen die meisten Leute aber etwas Spezifischeres: Ein motorisiertes Boot in 4-8 m Länge, das für Freizeitfahrten, Wassersport oder Angeln genutzt wird.
In diesem Ratgeber konzentriere ich mich auf offene und halboffene Motorboote von 4-8 m Länge — also Bowrider, Konsolenboote, Daycruiser und dedizierte Sportboote. Kajütboote und Yachten ab 9 m sind ein eigenes Thema. Schlauchboote behandeln wir ebenfalls in einem separaten Silo.
Die wichtigsten Sportboot-Kategorien
Bevor du kaufst, musst du wissen welche Kategorie zu dir passt. Jede hat ihre Stärken:
- Bowrider: Offener Bug mit Sitzplätzen, ideal für Familien und Badeausflüge. Die vielseitigste Kategorie — von gemütlich bis sportlich. Typisch: 5-7 m, 100-250 PS.
- Konsolenboot (Center Console): Steuerstand mittig, offenes Deck. Ursprünglich für Angler, heute auch als Allrounder beliebt. Vorteil: 360°-Zugang zum Wasser. Typisch: 4-7 m, 40-200 PS.
- Walkaround: Kombination aus Konsolenboot und kleiner Kajüte. Du kannst ums ganze Boot herumlaufen (daher der Name). Kompromiss zwischen Komfort und Funktionalität. Typisch: 5-7 m, 80-200 PS.
- Daycruiser: Kleine Kajüte mit 1-2 Schlafplätzen, WC, manchmal Pantry. Für Wochenendtouren mit Übernachtung. Weniger sportlich, mehr Komfort. Typisch: 6-8 m, 100-250 PS.
- Wakeboard-/Ski-Boot: Spezialisiert auf Wassersport: Wakeboard-Tower, Ballasttanks, starke Motorisierung (300+ PS). Teuer und nischig, aber für Wasserski und Wakeboard unersetzlich. Typisch: 6-7 m, 300-450 PS.
💡 Tipp: Kenne dein Nutzungsprofil, bevor du Boote anschaust. Schreib auf: Wie oft fährst du (pro Saison)? Mit wie vielen Personen? Auf welchem Gewässer (See, Fluss, Meer)? Willst du trailern oder fest liegen? Was machst du hauptsächlich (cruisen, angeln, Wassersport)? Diese Antworten filtern 80 % der Boote aus.
2. Rumpfformen verstehen — V-Rumpf, Deep-V, Katamaran
Die Rumpfform ist der wichtigste Faktor für das Fahrverhalten eines Sportboots. Leider auch der, den die meisten Käufer ignorieren — weil er nicht so sexy ist wie PS-Zahlen oder Chromzierleisten. Aber glaub mir: Der richtige Rumpf macht mehr Unterschied als 50 Extra-PS.
Flacher V-Rumpf (Deadrise 10-16°)
Der Allrounder für ruhige Gewässer. Flache V-Böden gleiten früh (schon ab 15-20 km/h), sind stabil bei niedriger Fahrt und bieten viel nutzbaren Platz. Nachteil: Bei Wellen wird es ungemütlich — das Boot schlägt hart auf. Für Binnenseen und Flüsse eine gute Wahl, für die Küste zu unkomfortabel.
Deep-V-Rumpf (Deadrise 18-24°)
Der Standard bei hochwertigen Sportbooten. Ein tiefer V-Rumpf schneidet durch Wellen, statt drüber zu schlagen. Weicheres Fahrverhalten bei Seegang, bessere Richtungsstabilität bei hoher Geschwindigkeit. Nachteil: Höherer Kraftstoffverbrauch (10-15 % mehr als Flach-V), späteres Gleiten. Für Küstengewässer und größere Seen die richtige Wahl.
Modifizierter V-Rumpf
Die meisten modernen Sportboote nutzen einen modifizierten V-Rumpf: Vorne Deep-V (18-22°) für Seegang, hinten flacher werdend (12-16°) für Stabilität beim Stillstand und effizientes Gleiten. Das Beste aus beiden Welten — und der Grund, warum die Rumpfform-Debatte in der Praxis weniger dramatisch ist, als Foren-Experten behaupten.
Katamaran-Rumpf (Doppelrumpf)
Selten bei klassischen Sportbooten, aber erwähnenswert: Katamarane bieten extreme Stabilität, flachen Tiefgang und große Decksfläche. Dafür sind sie breiter (Trailer-Probleme), lauter (Luftgeräusche zwischen den Rümpfen) und weniger wendig. In Deutschland ein Nischenprodukt — in den USA bei Angelbooten verbreitet.[2]
| Rumpfform | Deadrise | Stärke | Schwäche | Ideal für |
|---|---|---|---|---|
| Flach-V | 10-16° | Frühe Gleitfahrt, stabil | Hart bei Wellen | Binnenseen, Flüsse |
| Deep-V | 18-24° | Weich bei Seegang | Mehr Verbrauch, kippt bei Stillstand | Küste, offene Gewässer |
| Modifiziert-V | 12-22° (variabel) | Allrounder | Kompromiss in allem | Universell |
| Katamaran | — | Extrem stabil, flacher Tiefgang | Breit, laut, weniger wendig | Angeln, flache Gewässer |
3. Wie viel PS braucht dein Sportboot?
Die häufigste Frage im Sportboot-Universum. Und die Antwort ist simpler als du denkst — wenn du die Physik dahinter verstehst.
Jedes Boot hat zwei Fahrzustände: Verdrängerfahrt (langsam, das Boot schiebt Wasser beiseite) und Gleitfahrt (schnell, das Boot gleitet auf dem Wasser). Der Übergang — die sogenannte „Übergangsbuckel" — erfordert am meisten Kraft. Sobald das Boot gleitet, sinkt der Widerstand drastisch.
Die Faustregel
Für Gleitfahrt brauchst du etwa 15-25 PS pro Meter Bootslänge. Das ist eine grobe Orientierung, die durch Gewicht, Rumpfform und Zuladung beeinflusst wird:
| Bootslänge | Minimum (Gleiten) | Komfortabel | Sportlich |
|---|---|---|---|
| 4,0-4,5 m | 25-40 PS | 40-60 PS | 60-80 PS |
| 4,5-5,5 m | 40-75 PS | 75-115 PS | 115-150 PS |
| 5,5-6,5 m | 75-115 PS | 115-175 PS | 175-250 PS |
| 6,5-8,0 m | 115-200 PS | 200-300 PS | 300-400+ PS |
CE-Plakette beachten
Jedes in der EU verkaufte Boot hat eine CE-Plakette mit der maximalen Motorisierung. Diese Grenze darfst du nicht überschreiten — aus Sicherheitsgründen und weil die Versicherung sonst nicht zahlt. Bei gebrauchten Booten ohne CE-Plakette (vor 1998) gilt die Herstellerangabe.
Untermotorisierung — Das unterschätzte Problem
Viele Einsteiger kaufen einen schwächeren Motor, um zu sparen. Das klingt vernünftig, ist aber oft ein Fehler. Ein untermotorisiertes Boot hängt im Übergangsbuckel fest — es kommt nicht ins Gleiten, fährt mit hochgedrücktem Bug und verbraucht dabei mehr Kraftstoff als bei Gleitfahrt mit einem stärkeren Motor. Paradox, aber wahr: Ein 80-PS-Motor bei Gleitfahrt verbraucht oft weniger als ein 40-PS-Motor bei Verdrängerfahrt mit demselben Boot.[3]
Ausführlicher Motorvergleich: Außenborder Test 2026
4. GFK vs. Aluminium — Materialvergleich
95 % aller in Europa verkauften Sportboote bestehen aus GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff). Aluminium hat trotzdem seine Berechtigung — besonders in bestimmten Einsatzszenarien. Hier der ehrliche Vergleich:
GFK (Glasfaser / Fiberglass)
Vorteile:
- Bessere Fahreigenschaften — GFK-Rümpfe sind leiser, weicher und komfortabler
- Glattere Oberfläche — weniger Reibungswiderstand, bessere Gleiteigenschaften
- Design-Freiheit — komplexe Formen, integrierte Stauräume, fließende Linien
- Gelcoat-Oberfläche schützt gegen UV und lässt sich polieren
- Riesige Auswahl an Modellen und Marken
Nachteile:
- Anfällig für Osmose (Wassereinlagerung im Laminat) — besonders bei älteren Booten
- Grundberührungen können teure Schäden verursachen (Risse, Delamination)
- Reparaturen erfordern Fachwissen (Laminieren, Gelcoat-Ausbesserung)
- Schwerer als Aluminium bei gleicher Größe (ca. 20-30 %)
Aluminium
Vorteile:
- Extrem robust — verträgt Grundberührungen, Eis und Stöße ohne strukturelle Schäden
- Leichter als GFK — einfacher zu trailern, weniger PS nötig
- Nahezu unendliche Lebensdauer (kein Osmose-Problem)
- Recyclebar — umweltfreundlicher als GFK
- Ideal für flache, steinige Gewässer und raue Bedingungen
Nachteile:
- Lauter — Aluminium überträgt Geräusche und Vibrationen
- Weniger komfortable Fahreigenschaften
- Korrosionsgefahr im Salzwasser (Schutzanoden nötig)
- Eingeschränktes Design — weniger Formfreiheit als GFK
- Geringere Auswahl an Modellen in Deutschland
⚓ Empfehlung: Für 90 % der Sportboot-Käufer in Deutschland ist GFK die richtige Wahl. Aluminium macht Sinn, wenn du häufig auf flachen Flüssen oder steinigen Seen unterwegs bist, das Boot regelmäßig trailerst oder ein besonders robustes Angel- und Arbeitsboot suchst. Skandinavische Marken wie Linder, Buster und Alumacraft bieten hervorragende Alu-Sportboote.
5. Neu oder gebraucht kaufen?
Die Frage aller Fragen — und eine, bei der ich eine klare Meinung habe: Für dein erstes Sportboot kaufe gebraucht. Punkt.
Warum gebraucht die bessere Wahl ist
Neue Sportboote verlieren in den ersten drei Jahren 25-35 % ihres Werts. Ein Bowrider für 35.000 € ist nach drei Saisons noch 23.000-26.000 € wert. Das sind 3.000-4.000 € Wertverlust pro Jahr — nur durch Alter, nicht durch Verschleiß. Bei einem drei Jahre alten Gebrauchtboot kaufst du quasi dasselbe Boot, sparst aber den größten Wertverlust.
Dazu kommt: Als Erstkäufer weißt du noch nicht genau, was du brauchst. Vielleicht kaufst du einen Bowrider und merkst nach einer Saison, dass ein Konsolenboot besser passt. Bei einem Gebrauchtboot für 12.000 € ist der Fehler verschmerzbar — bei einem Neuboot für 35.000 € nicht.
Wann ein Neuboot Sinn macht
- Du hast bereits Erfahrung und weißt genau, was du willst
- Du planst, das Boot 10+ Jahre zu fahren (Wertverlust verteilt sich)
- Herstellergarantie (2-5 Jahre) und Service-Paket sind dir wichtig
- Du willst spezifische Ausstattung (Farbkombination, Elektronik, Motor), die gebraucht schwer zu finden ist
- Die boot Düsseldorf oder Interboot lockt mit Messerabatten (10-15 %)
Gebrauchtboot: Wo kaufen?
Die besten Quellen für gebrauchte Sportboote in Deutschland:
- Boot24.com: Größte deutsche Bootsbörse, 15.000+ Angebote
- boat24.com: Europaweit, gut für Import-Schnäppchen
- eBay Kleinanzeigen: Oft Schnäppchen von Privatverkäufern, aber Vorsicht vor Betrug
- Händler mit Gebrauchtbooten: Sicherer, oft mit Gewährleistung, aber teurer (10-20 % Aufschlag)
- Bootsmessen (Gebrauchtboot-Bereich): Besonders die Interboot in Friedrichshafen
Detaillierter Vergleich aller Plattformen: Bootsbörsen im Vergleich
6. Die besten Sportboot-Marken im Vergleich
Der Sportboot-Markt wird von einer Handvoll Marken dominiert. Hier die wichtigsten — sortiert nach Relevanz für den deutschen Markt, mit ehrlicher Einschätzung:
| Marke | Herkunft | Preissegment | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|---|
| Quicksilver | Belgien | Mittel | Preis-Leistung, großes Händlernetz | Verarbeitung nicht Premium |
| Bayliner | USA | Einsteiger | Günstigster Einstieg, große Auswahl | Unterdurchschnittliche Verarbeitung |
| Bavaria | Deutschland | Mittel-Premium | Made in Germany, guter Wiederverkauf | Konservatives Design |
| Sea Ray | USA | Premium | Exzellente Verarbeitung, Komfort | Hohe Preise, teure Ersatzteile |
| Finnmaster | Finnland | Mittel-Premium | Winterfest, robuste Verarbeitung | Kleines Händlernetz in DE |
| Parker | Polen | Mittel | Sehr gutes Preis-Leistung, solide | Noch wenig Markenbekanntheit |
| Jeanneau | Frankreich | Mittel-Premium | Merry Fisher Serie, Qualität | Wenige offene Sportboote |
Geheimtipp: Polnische und baltische Werften
In den letzten Jahren haben Werften aus Polen (Parker, Galeon, Barracuda), den baltischen Staaten und Finnland stark aufgeholt. Die Verarbeitungsqualität ist oft gleichwertig mit westeuropäischen Marken — bei 20-30 % niedrigeren Preisen. Parker-Boote sind auf deutschen Bootsmessen mittlerweile Stammgäste, und die Kundenzufriedenheit ist hoch. Einziges Manko: Die Service-Infrastruktur ist noch nicht so dicht wie bei Quicksilver oder Bavaria.
Detailvergleich: Motorboot-Marken im Vergleich
7. Budget-Planung — Die wahren Kosten
Der Kaufpreis ist nur die Spitze des Eisbergs. Ich sage meinen Freunden immer: „Rechne den Kaufpreis plus 25 % für Nebenkosten im ersten Jahr." Hier ist die vollständige Rechnung:
Einmalige Kosten (Kaufjahr)
| Position | Kosten | Anmerkung |
|---|---|---|
| Boot (Kaufpreis) | variabel | — |
| Trailer (falls nicht dabei) | 1.500-3.500 € | Gebraucht ab 800 €, gebremst ab 2.000 € |
| Überführung | 0-500 € | Selbst trailern = gratis, Spedition ab 300 € |
| Sicherheitsausrüstung | 200-500 € | Rettungswesten, Feuerlöscher, Signalmittel |
| Bootsführerschein (falls nötig) | 400-600 € | SBF See + Binnen zusammen |
| Bootskennzeichen / Registrierung | 30-80 € | ADAC, DMYV oder Wasser- und Schifffahrtsamt |
Laufende Kosten (jährlich)
Die laufenden Kosten hängen stark davon ab, ob du das Boot trailerst oder dauerhaft im Wasser liegen hast. Unsere Motorboote-Übersicht hat die Zahlen im Detail — hier die Kurzfassung für ein 5-m-Sportboot mit 60 PS:
- Trailerboot: 800-1.800 €/Jahr (Versicherung, Wartung, Kraftstoff, Trailer-TÜV)
- Dauerlieger Marina: 2.500-4.500 €/Jahr (+ Liegeplatz, Winterlager, Antifouling)
Ausführlich: Boot Unterhaltskosten — Die ehrliche Rechnung
8. Kaufcheckliste — 15 Punkte vor der Unterschrift
Diese Checkliste habe ich aus eigener (teilweise schmerzhafter) Erfahrung zusammengestellt. Drucke sie aus und nimm sie zur Besichtigung mit:
Rumpf & Struktur
- Klopftest: Mit dem Knöchel den Rumpf abklopfen. Gleichmäßiger, harter Klang = gut. Dumpf, hohl oder unterschiedlich = Delaminierung oder Osmose.
- Kielbereich: Auf Grundberührungsspuren prüfen (Kratzer, Dellen, Risse). Ein Kiel mit tiefen Kratzern bedeutet: Dieses Boot hat Bodenkontakt gehabt.
- Stringersystem: Unter die Bodenbretter schauen (wenn möglich). Weiche oder verfärbte Stringer bedeuten Wassereinbruch — Finger weg.
- Gelcoat: Haarrisse sind normal und kosmetisch. Spinnennetz-Risse um Beschläge herum deuten auf strukturelle Belastung hin.
Motor & Technik
- Betriebsstunden: Bei Außenbordern ab 1.500 h wird es kritisch (Verschleiß). Bei Innenborder-Diesel sind 3.000 h kein Problem.
- Kompressionstest: Lass ihn machen — kostet 50 € beim Motormechaniker und zeigt den Zustand der Zylinder.
- Kaltstart: Bestehe auf einem Kaltstart (Motor war mindestens 12 h aus). Ein warmer Motor startet immer — ein kalter verrät Probleme.
- Ölfarbe: Milchig = Wasser im Öl (Kopfdichtung, teuer). Dunkel aber klar = normal. Metallspäne = Lagerschaden.
- Anode: Stark abgenutzte Opferanoden deuten auf Elektrolyse-Probleme hin — besonders bei Salzwasserbooten.
Elektrik & Ausstattung
- Batterie: Spannung messen (12,4-12,8V = voll). Unter 12V = Batterie am Ende oder Kriechstrom.
- Alle Verbraucher testen: Navigation, Beleuchtung, Bilgenpumpe, Horn, Ankerwinch — alles einschalten.
- Bilgenpumpe: Funktioniert sie? Ist die Bilge trocken? Ein nasses Boot hat ein Leck (oder wurde schlecht abgedeckt).
Papiere & Recht
- CE-Konformitätserklärung: Muss vorhanden sein (ab Baujahr 1998). Ohne CE: Probleme bei Registrierung und Versicherung.
- Kaufvertrag/Eigentumsnachweis: Schriftlicher Vertrag mit Personalausweis-Kopie. Keine CE, kein Brief, kein Register — prüfe den Eigentumsnachweis genau.
- Trailer-TÜV: Gültigen TÜV-Stempel prüfen. Ein abgelaufener Trailer-TÜV kann 500-1.500 € Nacharbeit bedeuten.
Detailliert: Gebrauchtboot-Checkliste zum Ausdrucken
9. Die 7 häufigsten Fehler beim Sportbootkauf
Jeder dieser Fehler hat mich oder jemanden in meinem Bekanntenkreis echtes Geld gekostet. Lerne von unseren Fehlern:
-
Emotionaler Kauf auf der Bootsmesse
Die boot Düsseldorf ist fantastisch — zum Schauen. Kaufe nie impulsiv auf einer Messe. Die Atmosphäre ist manipulativ: Glänzende Boote unter Scheinwerfern, charmante Verkäufer, „nur heute"-Preise. Schlaf eine Nacht drüber, vergleiche online, lass einen erfahrenen Bootsfahrer mitschauen.
-
Untermotorisierung aus Sparsamkeit
Wer am Motor spart, zahlt doppelt: Höherer Verbrauch in der Verdrängerfahrt, schlechtere Fahreigenschaften, geringerer Wiederverkaufswert. Lieber ein kleineres Boot mit passendem Motor als ein großes mit zu wenig Leistung.
-
Liegeplatz nicht vorher klären
In beliebten Regionen (Starnberger See, Berliner Gewässer, Bodensee) gibt es Wartelisten von 2-5 Jahren für Liegeplätze. Kläre den Liegeplatz VOR dem Bootskauf. Sonst steht dein neues Boot auf dem Trailer in der Einfahrt — für Jahre.
-
Unterhaltskosten ignorieren
Wer sich ein Boot für 20.000 € leisten kann, aber nicht die 2.000-3.000 € Unterhalt pro Jahr, hat ein Problem. Plane die Folgekosten realistisch — nicht optimistisch.
-
Probefahrt bei Schönwetter
Jedes Boot fährt bei Flaute gut. Eine aussagekräftige Probefahrt findet bei leichtem Seegang statt — dann merkst du, ob der Rumpf schlägt, das Boot rollt oder der Motor kämpft. Bestehe auf einer Probefahrt unter realistischen Bedingungen.
-
Falsches Gewässer gewählt
Ein Deep-V-Sportboot auf einem kleinen Binnensee? Oversized. Ein Flach-V-Boot auf der Ostsee? Gefährlich. Das Boot muss zum Revier passen. Frag dich: Wo werde ich zu 80 % fahren? Und wähle danach.
-
Kein Gutachten bei teuren Gebrauchtbooten
Ab 10.000 € Kaufpreis lohnt sich ein Sachverständigen-Gutachten (300-600 €). Es deckt versteckte Mängel auf und gibt dir Verhandlungsmasse. Die 500 € sind die beste Versicherung gegen einen 5.000-€-Fehlkauf.[4]
10. Häufige Fragen
Was kostet ein gutes Sportboot?
Gebrauchte Sportboote in gutem Zustand starten ab 8.000-15.000 € (4-5 m, 40-80 PS). Neuboote kosten je nach Marke 20.000-60.000 €. Premium-Marken wie Sea Ray beginnen bei 40.000 €. Dazu kommen Trailer (1.500-3.000 €) und Erstausstattung (500-1.000 €).
Welches Sportboot für Anfänger?
Gebrauchtes Konsolenboot oder kleiner Bowrider, 4,5-5,5 m, 40-80 PS Außenborder, trailerbar. Bewährte Einstiegsmodelle: Quicksilver Activ 505, Bayliner Element E5, Terhi 480. Budget: 8.000-15.000 € gebraucht.
Sportboot mit oder ohne Führerschein?
Die meisten Sportboote haben über 15 PS und erfordern den SBF Binnen und/oder SBF See. Führerscheinfreie Sportboote (unter 15 PS) sind stark eingeschränkt — keine Gleitfahrt möglich. Mach den Schein, er kostet nur 400-600 € und eröffnet die volle Bootswelt.
GFK oder Aluminium?
GFK für 90 % der Käufer: bessere Fahreigenschaften, mehr Auswahl, komfortabler. Aluminium nur wenn du robuste Bedingungen hast (flache Flüsse, Felsen) oder maximale Gewichtsersparnis brauchst.
Wie viel PS braucht ein Sportboot?
Faustregel: 15-25 PS pro Meter für Gleitfahrt. Ein 5-m-Boot braucht 75-125 PS zum Gleiten. Die CE-Plakette gibt das Maximum vor. Lieber leicht übermotorisiert als untermotorisiert — spart tatsächlich Kraftstoff.
Kai Petersen
Skipper, Motorbootfahrer und Wassersport-Enthusiast seit über 15 Jahren. Hat drei eigene Sportboote besessen und dutzende zur Probe gefahren. Gründer von BootsBase. Mehr über Kai →
📚 Quellen & Referenzen
- Bundesverband Wassersportwirtschaft e.V. (BVWW): Marktbericht Freizeitboote Deutschland 2025. bvww.org
- Discovery Boating / NMMA: Hull Design and Performance Guide 2024. discoverboating.com
- Yamaha Motor Europe: Technical Paper — Fuel Efficiency at Displacement vs. Planing Speeds, 2023. yamaha-motor.eu
- Bundesverband der Sachverständigen für den Bereich Boots- und Yachtbau (BVSB): Gutachten-Standards und Kosten. bvsb.de